Im Rahmen der Ausstellung „Aussen ist innen – Klaus Merz“ entwickelten Schülerinnen und Schüler der Alten Kantonsschule Aarau literarische und künstlerische Arbeiten, die sich mit Sprache, Raum und Wahrnehmung auseinandersetzten. Ausgangspunkt waren Texte von Klaus Merz – kurze, dichte Sätze, Bilder und Fragmente, die sich besonders für Transformationen eignen. Die Schülerinnen und Schüler griffen diese sprachlichen Miniaturen auf und verschoben sie in neue mediale und räumliche Zusammenhänge.
Bereits eineinhalb Jahre vor Beginn der Ausstellung waren Anna Schiestl und Lena Friedli vom Forum Schlossplatz in einer Sitzung der Fachschaft Deutsch der Kantonsschule Aarau eingeladen, um das Vorhaben – eine Ausstellung über den 80-jährigen Autor Klaus Merz – vorzustellen. Aus diesem ersten Treffen entstand eine Gruppe von vier Lehrpersonen – Anna Deér, Michael Bouvard, Manon Wohlgemuth und Jacqueline Seiler –, die interessiert waren, mit ihren Klassen Arbeiten zu entwickeln, die später in der Ausstellung gezeigt werden sollten.


Generationen im Dialog
Es entstanden Interventionen, die die Hauptausstellung mit subtilen und spielerischen Setzungen begleiteten. Die im ganzen Haus verteilten Textilien mit aufgedruckten Textfragmenten tauchten an unerwarteten Stellen auf. Eingriffe im Garten erweiterten den Ausstellungsrundgang nach draussen: Stoffstreifen an Sträuchern, Bäumen, Laternenpfählen oder Gartenzäunen schufen eine ebenso flüchtige wie einprägsame Einstimmung auf die Inhalte der Ausstellung.
In der Remise des Forum Schlossplatz wurden auf Screens Videoarbeiten präsentiert. Sie setzten sich aus den Experimenten einer Gruppe des Schwerpunktfachs Bildnerisches Gestalten zusammen, die Tücher als Projektionsflächen verwendeten. Die Stoffe wurden dazu in die Landschaft getragen, drapiert, verdreht und dem Wind ausgesetzt.
Das überwiegend ältere Publikum, das die Ausstellung rege besuchte, schätzte die Beiträge der Schülerinnen und Schüler sehr. Immer wieder erreichten uns Rückmeldungen, wie wertvoll es sei, dass für diese Ausstellung eines 80-jährigen Autors auch junge Stimmen eingebunden werden. Besonders deutlich wurde dieses Feedback während einer öffentlichen Führung von zwei Schülerinnen, die beim Projekt mitgewirkt hatten. Die Teilnehmenden der Führung zeigten sich äusserst interessiert und beeindruckt vom souveränen Auftritt der beiden.

Auch an der Vernissage erfüllte sich das Ziel des Projekts, einen Dialog zwischen den Generationen zu starten: Hier trafen sich nicht nur betagtere Gäste, sondern auch zahlreiche der involvierten Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Freundinnen und Freunden sowie ihren Familien.
Vertrauen in prozesshaftes Arbeiten setzen
Partizipation und Kuration sind nach wie vor zwei Pole, die nicht immer problemlos zusammengehen. Vorbehalte gegenüber partizipativen Beiträgen hängen dabei oft mit Ängsten gegenüber prozesshaften Planungsabläufen zusammen. Interessanterweise bestehen diese Ängste in den Köpfen der Ausstellungsmacherinnen und Ausstellungsmacher oft ebenso gegenüber Neuproduktionen von Kunstschaffenden. Beides entzieht sich einer frühzeitigen Planung und Definition und erfordert Vertrauen in den Prozess. Abgebaut werden können diese Ängste nur durch die positive Erfahrung eines gelungenen Projekts, in dem partizipative Beiträge wie auch künstlerische Neuproduktionen am Ende zu einer stimmigen Ausstellung zusammenfinden.

5.9.2025–18.1.2026


Die Auswirkungen des Projekts auf den Lehrplan
Die Zusammenarbeit hat auch innerschulisch vieles angestossen. Nicht zuletzt ist hier die sich konkretisierende Kooperation zwischen den Fächern Deutsch und Bildnerisches Gestalten zu nennen: Im Zuge des „Gymnasium 27+“ werden im Rahmen der Umstrukturierung des gymnasialen Lehrgangs im Aargau neue Akzentfächer entwickelt. Daraus ging das neue Akzentfach «Wort.Bild.Kunst» hervor, das interdisziplinäres Arbeiten im Bereich der Bild- und Textkreation in den ersten beiden Jahren der gymnasialen Basisstufe ermöglicht. Einen entscheidenden Impuls für diese Entwicklung lieferte das Projekt „Merz verschieben“, das die Kooperation massgeblich förderte und überhaupt erst anstiess. In der Folge widmete sich das Lehrpersonenteam rund um dieses Projekt auch der konkreten Ausarbeitung und Weiterentwicklung des neuen interdisziplinären Fachs. Der Lehrplan formuliert dabei zentrale Hauptziele: Im Mittelpunkt steht die Kommunikation durch Text und Bild, sowohl in der Analyse als auch in der eigenen künstlerischen Produktion. Das Fach ist theoriegestützt, zugleich gestalterisch und projektorientiert ausgerichtet und an der Schnittstelle von Deutsch und Bildnerischem Gestalten verankert. Entsprechend vielfältig sind die Arbeitsformen, die analytische, experimentelle, projektbasierte und reflexive Zugänge miteinander verbinden.

Kompakt zum Schluss: Lessons learned
Ohne weiter auszuholen, ist es uns ein Anliegen weitere Erkenntnisse aus dem Projektverlauf kurz und knapp zusammenzufassen.
- Einbindung weiterer Expertinnen und Experten: Bewährt sich als Bereicherung. Beispielsweise besuchte die Künstlerin Regula Engler die Alte Kantonsschule, stellte ihre Arbeit vor und gab Feedback zu den Arbeiten der Schülerinnen und Schüler. Gemeinsam mit dem Szenografen Simon Husslein fand zudem ein Workshop im Forum Schlossplatz statt.
- Führungen von Schülerinnen und Schüler: Finden beim Publikum grossen Anklang. Mit Unterstützung des Ausstellungsteams könnten sie als Format auch bei anderen Ausstellungen etabliert werden.
- Schlüsselpersonen definieren: In grossen Projektteams lohnt es sich, in den einzelnen Institutionen Ansprechpartnerinnen und Ansprechspartner zu benennen. Das erleichtert die Kommunikation erheblich.
- Früh und furchtlos Generationen und Funktionstragende mischen: Direkter Kontakt zwischen unterschiedlichen Personen baut Vorbehalte ab und schafft Vertrauen.
- Skalierung berücksichtigen: Bei vielen involvierten Klassen sollten die Beiträge angepasst werden: Eine grosse Gruppe leistet kleinere Beiträge, eine kleine Gruppe übernimmt grössere.
- Unterschiedliche Zeitlichkeiten: Der frühe Austausch zwischen Schule und Kulturinstitution löst nicht automatisch Probleme der Zeitplanung. Beispielsweise lag die Vernissage kurz nach den Sommerferien ungünstig und erforderte besonders von den Lehrpersonen minutiöse Planung und Flexibilität.
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