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Merz verschieben – Interventionen von Schülerinnen und Schüler der Alten Kantonsschule Aarau in der Ausstellung „Aussen ist innen – Klaus Merz“ im Forum Schlossplatz

Was passiert, wenn Lehrpersonen und Ausstellungsmachende zusammenarbeiten, um Arbeiten von Schülerinnen und Schüler in ein grossangelegtes Ausstellungsprojekt einzubinden? Wie viel prozesshafte Planung vertragen schulische wie auch kuratorische Abläufe? Diese Fragen begleiteten uns während der Umsetzung des Projekts „Merz verschieben“.

Treppenhaus mit Menschen auf der Treppe in dessen Mitte ein Stück bedruckter weisser Stoff hängt, der in Bewegung zu sein scheint.
Installation eines Textbandes im Treppenhaus des Forum Schlossplatz. © Forum Schlossplatz Aarau, Foto: Peter Koehl

Im Rahmen der Ausstellung „Aussen ist innen – Klaus Merz“ entwickelten Schülerinnen und Schüler der Alten Kantonsschule Aarau literarische und künstlerische Arbeiten, die sich mit Sprache, Raum und Wahrnehmung auseinandersetzten. Ausgangspunkt waren Texte von Klaus Merz – kurze, dichte Sätze, Bilder und Fragmente, die sich besonders für Transformationen eignen. Die Schülerinnen und Schüler griffen diese sprachlichen Miniaturen auf und verschoben sie in neue mediale und räumliche Zusammenhänge.

Bereits eineinhalb Jahre vor Beginn der Ausstellung waren Anna Schiestl und Lena Friedli vom Forum Schlossplatz in einer Sitzung der Fachschaft Deutsch der Kantonsschule Aarau eingeladen, um das Vorhaben – eine Ausstellung über den 80-jährigen Autor Klaus Merz – vorzustellen. Aus diesem ersten Treffen entstand eine Gruppe von vier Lehrpersonen – Anna Deér, Michael Bouvard, Manon Wohlgemuth und Jacqueline Seiler –, die interessiert waren, mit ihren Klassen Arbeiten zu entwickeln, die später in der Ausstellung gezeigt werden sollten.

Generationen im Dialog

Es entstanden Interventionen, die die Hauptausstellung mit subtilen und spielerischen Setzungen begleiteten. Die im ganzen Haus verteilten Textilien mit aufgedruckten Textfragmenten tauchten an unerwarteten Stellen auf. Eingriffe im Garten erweiterten den Ausstellungsrundgang nach draussen: Stoffstreifen an Sträuchern, Bäumen, Laternenpfählen oder Gartenzäunen schufen eine ebenso flüchtige wie einprägsame Einstimmung auf die Inhalte der Ausstellung.

In der Remise des Forum Schlossplatz wurden auf Screens Videoarbeiten präsentiert. Sie setzten sich aus den Experimenten einer Gruppe des Schwerpunktfachs Bildnerisches Gestalten zusammen, die Tücher als Projektionsflächen verwendeten. Die Stoffe wurden dazu in die Landschaft getragen, drapiert, verdreht und dem Wind ausgesetzt.

Das überwiegend ältere Publikum, das die Ausstellung rege besuchte, schätzte die Beiträge der Schülerinnen und Schüler sehr. Immer wieder erreichten uns Rückmeldungen, wie wertvoll es sei, dass für diese Ausstellung eines 80-jährigen Autors auch junge Stimmen eingebunden werden. Besonders deutlich wurde dieses Feedback während einer öffentlichen Führung von zwei Schülerinnen, die beim Projekt mitgewirkt hatten. Die Teilnehmenden der Führung zeigten sich äusserst interessiert und beeindruckt vom souveränen Auftritt der beiden.

Zwei Schülerinnen stehen vor einer Eingangstüre und sprechen vor einem Publikum.
Öffentliche Führung durch die Ausstellung mit zwei Schülerinnen. © Forum Schlossplatz

Auch an der Vernissage erfüllte sich das Ziel des Projekts, einen Dialog zwischen den Generationen zu starten: Hier trafen sich nicht nur betagtere Gäste, sondern auch zahlreiche der involvierten Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Freundinnen und Freunden sowie ihren Familien.

Vertrauen in prozesshaftes Arbeiten setzen

Partizipation und Kuration sind nach wie vor zwei Pole, die nicht immer problemlos zusammengehen. Vorbehalte gegenüber partizipativen Beiträgen hängen dabei oft mit Ängsten gegenüber prozesshaften Planungsabläufen zusammen. Interessanterweise bestehen diese Ängste in den Köpfen der Ausstellungsmacherinnen und Ausstellungsmacher oft ebenso gegenüber Neuproduktionen von Kunstschaffenden. Beides entzieht sich einer frühzeitigen Planung und Definition und erfordert Vertrauen in den Prozess. Abgebaut werden können diese Ängste nur durch die positive Erfahrung eines gelungenen Projekts, in dem partizipative Beiträge wie auch künstlerische Neuproduktionen am Ende zu einer stimmigen Ausstellung zusammenfinden.

Die Auswirkungen des Projekts auf den Lehrplan

Die Zusammenarbeit hat auch innerschulisch vieles angestossen. Nicht zuletzt ist hier die sich konkretisierende Kooperation zwischen den Fächern Deutsch und Bildnerisches Gestalten zu nennen: Im Zuge des „Gymnasium 27+“ werden im Rahmen der Umstrukturierung des gymnasialen Lehrgangs im Aargau neue Akzentfächer entwickelt. Daraus ging das neue Akzentfach «Wort.Bild.Kunst» hervor, das interdisziplinäres Arbeiten im Bereich der Bild- und Textkreation in den ersten beiden Jahren der gymnasialen Basisstufe ermöglicht. Einen entscheidenden Impuls für diese Entwicklung lieferte das Projekt „Merz verschieben“, das die Kooperation massgeblich förderte und überhaupt erst anstiess. In der Folge widmete sich das Lehrpersonenteam rund um dieses Projekt auch der konkreten Ausarbeitung und Weiterentwicklung des neuen interdisziplinären Fachs. Der Lehrplan formuliert dabei zentrale Hauptziele: Im Mittelpunkt steht die Kommunikation durch Text und Bild, sowohl in der Analyse als auch in der eigenen künstlerischen Produktion. Das Fach ist theoriegestützt, zugleich gestalterisch und projektorientiert ausgerichtet und an der Schnittstelle von Deutsch und Bildnerischem Gestalten verankert. Entsprechend vielfältig sind die Arbeitsformen, die analytische, experimentelle, projektbasierte und reflexive Zugänge miteinander verbinden.

Schülerinnen und Schüler stehen um einen Tisch und betrachten ein weisses mit Text bedrucktes Textilbanner in die Höhe.
Workshop zur Setzung der Textbänder. © Forum Schlossplatz, Foto: Roman Gaigg

Kompakt zum Schluss: Lessons learned

Ohne weiter auszuholen, ist es uns ein Anliegen weitere Erkenntnisse aus dem Projektverlauf kurz und knapp zusammenzufassen.

  • Einbindung weiterer Expertinnen und Experten: Bewährt sich als Bereicherung. Beispielsweise besuchte die Künstlerin Regula Engler die Alte Kantonsschule, stellte ihre Arbeit vor und gab Feedback zu den Arbeiten der Schülerinnen und Schüler. Gemeinsam mit dem Szenografen Simon Husslein fand zudem ein Workshop im Forum Schlossplatz statt.

  • Führungen von Schülerinnen und Schüler: Finden beim Publikum grossen Anklang. Mit Unterstützung des Ausstellungsteams könnten sie als Format auch bei anderen Ausstellungen etabliert werden.

  • Schlüsselpersonen definieren: In grossen Projektteams lohnt es sich, in den einzelnen Institutionen Ansprechpartnerinnen und Ansprechspartner zu benennen. Das erleichtert die Kommunikation erheblich.

  • Früh und furchtlos Generationen und Funktionstragende mischen: Direkter Kontakt zwischen unterschiedlichen Personen baut Vorbehalte ab und schafft Vertrauen.

  • Skalierung berücksichtigen: Bei vielen involvierten Klassen sollten die Beiträge angepasst werden: Eine grosse Gruppe leistet kleinere Beiträge, eine kleine Gruppe übernimmt grössere.

  • Unterschiedliche Zeitlichkeiten: Der frühe Austausch zwischen Schule und Kulturinstitution löst nicht automatisch Probleme der Zeitplanung. Beispielsweise lag die Vernissage kurz nach den Sommerferien ungünstig und erforderte besonders von den Lehrpersonen minutiöse Planung und Flexibilität.

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Merz Verschieben

Involvierte Kulturschaffende Regula Engeler, Künstlerin Simon Husslein, Szenograf
Involvierte Kulturbetriebe Forum Schlossplatz Anna Schiestl, Vermittlung und Projektleitung Forum Schlossplatz
Zeitraum Projekt 01.06.2025 bis 31.01.2026
Schule(n) Alte Kantonsschule Aarau
Schulklassen 7 Klassen
Anzahl Schülerinnen und Schüler 181
Schulstufe(n) Kurzzeit-Gymnasium, 1., 2. Und 3. Klassen, Schwerpunktfach sowie Ergänzungsfachklassen

Anna Deér

Anna Deér studierte Illustration Fiction an der Hochschule für Design und Kunst Luzern (Bachelor 2015) sowie Fine Arts mit Major Art Teaching an derselben Hochschule (Master 2023). Ergänzend absolvierte sie Studien an der Universität für angewandte Kunst Wien. Sie unterrichtet Bildnerisches Gestalten an der Alten Kantonsschule Aarau. Sie lebt und arbeitet in Zürich und ist als Illustratorin tätig, mit Schwerpunkt auf Wissensvermittlung, Bilderzählung und Editorial.

    Anna Schiestl

    Anna Schiestl arbeitet seit 2019 am Forum Schlossplatz und ist – neben der Arbeit an den laufenden Ausstellungsprojekten und Veranstaltungen – verantwortlich für die Vermittlung am Haus. Nach ihrem Master-Abschluss in Kulturanalyse, Kunstgeschichte und Geschichte der Neuzeit an der Universität Zürich arbeitete sie in den verschiedensten kulturellen Bereichen, vom Verlagshaus zum Architekturbüro bis hin zum Museumsbereich.

    Webseite: https://www.forumschlossplatz.ch